Steueränderungen 2020 - das sind die Neuregelungen im Steuerrecht

Der Soli-Zuschlag

Für jeden Steuerzahler in Deutschland bleibt im kommenden Jahr mehr Netto vom Brutto übrig. Wie viel, das hängt von seinem Einkommen ab.

Der mehr als umstrittene Solidaritätszuschlag schon einige Dutzendmale abgeschafft worden sein. Er wird aber auch im Jahr 2020 noch voll gezahlt werden müssen. Erst ab 2021 soll die sogenannten Soli, für ungefähr 90% der Steuerzahler wegfallen. Im Geldbeutel bleibt dem Bürger deshalb nur ein bisschen mehr für 2020.

Eine gute Nachricht gibt es dennoch: 2020 werden trotzdem alle entlastet, die Steuern zahlen. Wie viel Geld dem Einzelnen übrig bleibt, dass hängt von seinem Einkommen ab und davon, ob die Person einzeln oder zusammen veranlagt wird und ob es Kinder gibt. So können es grade mal 7 Euro mehr sein bei geringverdienenden Singles - oder insgesamt 870 Euro bei höchstverdienenden Ehepaaren mit Kindern.

Die Steuerfreibeträge

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Dass für den Steuerzahler 2020 mehr Netto vom Brutto bleibt, ist auf einige kleine Veränderungen begründet, zu denen die Bundesregierung selbst verpflichtet ist oder diese von der großen Koalition besiegelt und in den Koalitionsvertrag geschrieben worden sind. Dazu gehört, dass das zum 1. Juli 2019 erhöhte Kindergeld erst 2020 volljährig wirksam wird. Zudem hat die Bundesregierung die Freibeträge für das steuerliche Existenzminimum sowie den Kinderfreibetrag nachgeprüft und die steuerliche Abschreibung für geleistete Zahlungen zur Rentenvorsorge erhöht. Der steuerliche Grundfreibetrag für 2020 steigt um 240 Euro auf 9408 Euro pro Jahr. Bis zu diesem Betrag werden keine Steuern fällig.

Auch das sächliche Existenzminimum für Kinder wird für 2020 erhöht - und zwar deutlicher als in den vergangenen Jahren. Der Kinderfreibetrag steigt entsprechend des erhöhten Kindergeldes von 2490 Euro je Elternteil auf 2586 Euro je Elternteil. Das sind bei Alleinerziehenden 96 Euro mehr und bei zusammen veranlagten Paaren 192 Euro mehr. Der Kinderfreibetrag wurde so erhöht, dass er ökonomisch der vollen Jahreswirkung des erhöhten Kindergeldes gleichsteht. Gleich geblieben ist der Freibetrag für den Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf.

Die Sozialversicherungsbeiträge

Bei den Beiträgen zu den Sozialversicherungen ändern sich nur wenig; der durchschnittliche Zusatzbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung wächst um 0,2 Prozentpunkte auf 1,1 % des beitragspflichtigen Einkommens. Der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung fällt um 0,1 Prozentpunkt auf 2,40% des beitragspflichtigen Einkommens.

Weil die Löhne steigen, erhöhen sich auch die Beträge, bis zu welchen Abgaben an die Sozialversicherung gezahlt werden müssen. Diese Grenze wird als Beitragsbemessungsgrenze bestimmt. Übersteigt das Bruttoeinkommen diese Grenze, ist der darüber liegende Teil des Einkommens sozialabgabenfrei.

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Die Beitragsbemessungsgrenzen

Da die im Osten gezahlten Löhne auch im dreißigsten Jahr der Einheit niedriger sind als die im Westen Deutschlands gezahlten, unterscheiden sich auch die Beitragsbemessungsgrenzen in der Renten- und in der Arbeitslosenversicherung. Im Jahr 2020 müssen Arbeitnehmer im Westen bis zu einem monatlichen Brutto von 6900 Euro (2019: 6700 Euro) monatliche Beiträge in den Renten- und die Arbeitslosenkasse abführen.

Im Osten Deutschlands ist bei 6450 Euro (2019: 6150 Euro) Schluss. Dass die Bemessungsgrenzen unterschiedlich stark wachsen, liegt daran, dass die Löhne im Osten signifikant angezogen haben als im Westen. Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung werden in Ost und West im Jahr 2020 auf ein beitragspflichtiges Bruttoeinkommen in Höhe von 4687,50 Euro veranlagt; damit steigt die Beitragsbemessungsgrenze für das nächste Jahr um 150 Euro. Bei allen Sozialversicherungen teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichberechtigt die Beitragszahlungen. Die Sätze liegen 2020 bei 18,60% für die gesetzliche Rentenversicherung; 2,40% für die Arbeitslosenversicherung; 15,70 % für die Krankenversicherung und 3,05 % für die Pflegeversicherung.

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Die höheren Beitragsbemessungsgrenzen sind unter anderem auch verantwortlich dafür, dass die Entlastungen bei einem Bruttoeinkommen von 6500 Euro entsprechend hoch ausfallen. Die Minderung der Entlastungen mit kletternder Einkommenshöhe bei einem monatlichen Einkommen zwischen 5000 Euro und 7000 Euro geht exakt auf diesen Effekt zurück. Die steuerlichen Entlastungen werden hier durch die zusätzlichen Abgabenbelastungen in den Sozialversicherungen teilweise aufgebraucht. Alleinerziehende haben tendenziell mehr Netto vom Brutto, weil sich das höhere Kindergeld und der erhöhte Kinderfreibetrag auswirken. Am meisten entlastet werden einzelveranlagte Singles ab 25 000 Euro monatlichem Einkommen, weil erst bei diesem Bruttolohn der höchste Grenzsteuersatz von 45 % erreicht wird.

Zusammen veranlagte Paaren mit zwei Kindern werden 2020 allein wegen des höheren Kindergeldes 120 Euro jährlich mehr zur Verfügung haben. Die höchste steuerliche Entlastung tritt ein, wenn das gemeinsame zu versteuernde Einkommen über 541 002 Euro pro Jahr liegt.

Elektrofahrzeuge, Job-Tickets, Verpflegungspauschale

Im Jahressteuergesetz ist für elektrische Nutz- und Lieferfahrzeuge eine zeitlich befristete, großzügige Sonderabschreibung ausgemacht worden. Im Jahr des Kaufes können 50 Prozent der Anschaffungskosten aller Elektrofahrzeuge steuerlich abgeschrieben werden. Gefördert werden auch elektrisch betriebene Lastenfahrräder. Jobtickets kann der Arbeitgeber pauschal besteuern; die Entfernungspauschale darf davon unabhängig angesetzt werden. Auch unentgeltlich oder preiswert überlassene Dienstfahrräder werden pauschal besteuert.

Noch mehr Steuervorteile gibt es bei der privaten Nutzung eines elektrischen Dienstfahrzeugs sowie beim Laden. Von 2020 an könnten Bücher, Zeitungen und Zeitschriften teilweise billiger werden. Weil gedruckte und digitale Erzeugnisse gleichbehandelt werden sollen, dürfen Print- und digitale Medien künftig mit dem ermäßigten Steuersatz von sieben Prozent belegt werden. Darüber hinaus ist im Jahressteuergesetz vereinbart, dass sich die Wohnungsbauprämie erhöht, allerdings erst ab 2021. Die Einkommensgrenzen, bis zu denen der Staat Geld dazugibt, werden auf ein zu versteuerndes Jahreseinkommen von 35 000 Euro für Alleinstehende und 70 000 Euro für Paare erhöht. Bislang waren die Obergrenzen bei 25 600 (Paare: 51 200) Euro. Der maximal förderfähige Sparbetrag erhöht sich von 512 (Paare: 1024) Euro jährlich auf 700 beziehungsweise 1400 Euro. Zeitgleich steigt der Fördersatz von 8,8 auf 10,0 Prozent. Damit liegt der maximale Sparzuschuss 70 (vorher 45) und für Verheiratete bei 140 (90) Euro im Jahr. Arbeitnehmer können sich ab 2020 über eine höhere Verpflegungspauschale freuen. Dauert die Abwesenheit mehr als acht Stunden, gibt es nun 14 statt 12 Euro. Ist der Beschäftigte ganztags, also 24 Stunden, unterwegs, gilt die neue Pauschale von 28 Euro. Bei mehrtägigen Reisen steigt die Pauschale für den An- und Abreisetag um zwei auf 14 Euro.

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